Storytelling Bücher

Diese Bücher waren und sind wichtige Begleiter auf meiner eigenen Heldenreise. Jedem "Mitreisenden" auf dem Weg zum Storypreneur kann ich sie nur wärmstens weiterempfehlen.

Alles Gescheidte ist schon gedacht worden, man muß nur versuchen es noch einmal zu denken“ (Goethe). Ich würde hinzufügen: es neu zu kombinieren.

Alles hängt mit allem zusammen

Nichts, was gesagt wird, ist wirklich neu – deshalb benenne ich meine Quellen hier auch ganz offen. Auf dieser Seite möchte ich all jene Bücher vorstellen, die ich für besonders „gescheidt“ halte und deren Erkenntnisse in mein eigenes Konzept des Storypreneurs mit eingeflossen sind. Sie handeln von so unterschiedlichen Dingen wie Romandramaturgie, Persönlichkeitsentwicklung oder Karriereplanung – und ergänzen sich doch auf fast wundersame Weise. Sie sprechen zwar verschiedene Zielgruppen an, sagen aber ähnliche Dinge aus. Mindset, Handwerk, (Arbeits-)Alltag: Alles scheint mit allem zusammenzuhängen.

Storytelling ist Veränderungsmanagement

Irgendwann ist mir klar geworden, warum: Storytelling ist weit mehr als Autorenhandwerk. Denn eine Geschichte ist im Kern Veränderungsmanagement und daher eine Metapher für das Leben schlechthin. Also kann Storytelling auch eine Anleitung für ein erfülltes Autorendasein sein und ein Bauplan für ein erfolgreiches Autorenbusiness. Die Prinzipien und Mechanismen des Storytelling lassen sich problemlos von der Kunst auf das Leben und Arbeiten des Storytellers selbst übertragen. Wie das genau funktioniert und was es im Einzelnen für uns Schreiber bedeutet – das herauszufinden war mein Beweggrund, storytella zu gründen.

Die folgenden Bücher haben meine eigene Heldenreise maßgeblich beeinflusst, vom ersten zaghaften Ruf zum Abenteuer des Schreibens bis hin zur Konzeption dieses Blogs, hinter dem ich die entscheidende Prüfung vermute. Sie können auch für dich zu wichtigen Mentoren werden. Autoren, werdet Storypreneure!

Storytelling Methode

cover the writer's journey von christopher vogler

Die deutsche Übersetzung von „The Writer’s Journey“ („Die Odyssee des Drehbuchschreibers“, 4 Auflagen 1997-2004) ist derzeit vergriffen. Daher hier ein Link zur amerikanischen Originalausgabe, die auch den besseren Titel trägt. Denn Voglers Methodik eignet sich nicht allein für Drehbuchautoren, sondern für alle Schreiber, die mit dramaturgischen Mitteln arbeiten. Er geht davon aus, dass die Heldenfigur jeder Geschichte die archetypischen Grundeigenschaften der gesamten menschlichen Gattung in sich trägt. Und dass jede Geschichte im Kern eine Reise erzählt, die der Held zu sich selbst unternimmt. Die Lehre von den Archetypen stammt von C. G. Jung, das Konzept der mythologischen Heldenreise hat Vogler von Joseph Campbell (s. rechts) übernommen und für das Hollywood-Kino adaptiert. Die neuere Creative-Writing-Literatur ist ohne dieses Werk kaum denkbar.

Der Mythenforscher Joseph Campbell untersucht ein unglaubliches breites Spektrum an Religionen, Träumen und Mythen nach immer wiederkehrenden Symbolen und stellt fest, dass sie über alle Kulturgrenzen hinweg die immer gleichen Wahrheiten lehren. „Der Heros in tausend Gestalten“ ist eine Art Typologie der schöpferischen Phantasie der Menschheit. Im Zentrum steht das Grundmotiv der Heldenreise: „Der Heros verlässt die Welt des gemeinen Tages und sucht einen Bereich übernatürlicher Wunder auf, besteht dort fabelartige Mächte und erringt einen entscheidenden Sieg, dann kehrt er mit der Kraft, seine Mitmenschen mit Segnungen zu versehen, von seiner geheimniserfüllten Fahrt zurück.“ Das ist die Kurzfassung jeder „Heldenreise“, die wir aus Filmen oder Büchern kennen. Wer Campbell liest, bekommt ein Gefühl für die zyklische Grundstruktur des Lebens: Alles ist Aufbruch, Krise, Entscheidung und Rückkehr – und wieder Aufbruch, Krise, Entscheidung und Rückkehr …

Das Standardwerk „Dramatisches Schreiben“ von Lajos Egri ist deshalb so faszinierend, weil es die Bedeutung des Charakters für das Drama generell (Theater, Film, Roman) nachweist. Egri streitet ab, dass Storytelling aus vielen Fachgebieten besteht, die nebeneinander her leben (Thema, Plot, Konflikt, Dialog, Spannung, Atmosphäre…). „Es muss etwas geben, das Spannung erzeugt, etwas, das Komplikationen schafft, ohne dass der Autor dieses bewusst herbeizuführen versucht.“ Diese übergreifende Kraft ist für ihn der menschliche Charakter. Und dieser wird von Emotionen getrieben – Gier, Angst, Mitleid, Liebe, Hass. Aber eine Emotion macht noch keine Geschichte aus; es fehlt der Konflikt. „Skrupelloser Ehrgeiz führt zur Selbstvernichtung“ ist eine Prämisse, in der eine starke Emotion über einen Konflikt zu einem Ergebnis führt. Zum Leben erweckt wird eine solche Prämisse laut Egri aber nur, wenn sie die Überzeugungen des Autors widerspiegelt – sprich, wenn die Story authentisch ist. Von den eigenen Werthaltungen ausgehen und sie zur Grundlage einer bedeutenden Tätigkeit machen – diesen Gedanken finden wir auch bei Förster/Kreuz und Sloterdijk wieder. Was einmal mehr beweist: Die Prinzipien des dramatischen Schreibens gelten nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben.

In „Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens“ bestätigt Storytelling-Papst Robert McKee die Charakter-zentrierte Haltung Egris: „Dramatik erwächst aus dem Versuch des Protagonisten, ein tiefes inneres Bedürfnis wahr werden zu lassen.“ Der Held will also etwas, bekommt es aber nicht. Antagonistische Kräfte treten auf den Plan. Das führt zu einer Reihe sich verstärkender Konflikte, bis der Held sein Ziel erreicht – oder eben nicht. Eine Offenbarung war für mich McKees Definition von Story als „Dynamik ineinander verschränkter Handlungen.“ Eine Dynamik, keine lineare Abfolge. „Story ist eine Metapher für das Leben,“ sagt McKee. Denn sie symbolisiert den hindernisreichen Weg des Menschen zu sich selbst. Und weil jedes Leben per se aus einer Abfolge von Veränderungen besteht, ist auch Storytelling nichts anderes als Veränderungs-Management. Den Storytelling-Ansatz von der Kunst auf andere Lebensbereiche zu übertragen, ist für mich die zentrale Leistung McKees. storytella übernimmt diesen Ansatz für die Zielgruppe der Kreativschaffenden. Die Hypothese lautet: Ja, die Prinzipien und Methoden des Storytelling lassen sich auch auf die Karriereplanung und Persönlichkeitsentwicklung des Storytellers selbst übertragen.

cover storytelling für journalisten von marie lampert und rolf wespe

Storytelling stand bei klassisch ausgebildeten Journalisten lange im Ruf des Unseriösen. Die Grundregeln hießen: Beginne immer mit der wichtigsten Neuigkeit und liefere die Details später; beantworte gleich im Vorspann alle W-Fragen (wer hat was wann wo wie warum und wozu getan); schreibe möglichst distanziert. Das funktioniert heute nicht mehr. Wer mit seinen Botschaften durchdringen will, muss Spannung auf- und nicht abbauen, muss Pointen nach hinten schieben statt sie vorwegzunehmen. Deshalb bedienen sich heute auch Journalisten aus dem Werkzeugkasten des Romanautors. Wie Schriftsteller arbeiten sie z.B. mit Cliffhangern (unaufgelösten spannungsgeladenen Kapitelenden), Foreshadowing (Anspielungen auf kommende Konflikte) – und natürlich mit der Heldenreisen-Struktur von Christopher Vogler. In „Storytelling für Journalisten“ erläutern Marie Lampert und Rolf Wespe, mit welchen Strategien und Werkzeugen man Geschichten findet, baut und erzählt. Wichtigstes Learning für mich: Die Unterscheidung Schriftsteller/Journalist hat ihren Sinn verloren. Storytelling ist eine Basistechnik, die für alle schreibenden Berufe auf allen Kanälen funktioniert: Print, Radio, TV, Internet. Ihnen gemein ist das Ziel, das Publikum zu bewegen: es soll etwas erleben, erfahren, lernen, tun. Storyteller ist demnach, wer Menschen bewegen kann – schreibend, redend, darstellend, lehrend oder beratend.

cover the key, die kraft des mythos, von james n. frey

Nach dem Erfolg seines Creative-Writing-Ratgebers „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ (1997) hat James N. Frey gleich im Jahr darauf eine Fortsetzung vorgelegt. Später hat er die Serie noch um Krimi- und Thriller-Ratgeber erweitert. Alle liefern sehr lebensnahe, amüsant zu lesende Praxistipps. Was hier aber interessiert, ist seine Bearbeitung des Heldenreisen-Motivs. Bei der Lektüre von „The Key. Die Kraft des Mythos“ ist mir erstmals richtig aufgegangen, dass das Muster der Heldenreise immer das gleiche ist, „im Leben unserer Helden wie auch in unserem Leben.“ Genau das sagte schon Julia Cameron: Wir Schreiber sind selbst auf einer Heldenreise. Frey bestätigt: „Um irgendeine persönliche Veränderung zu erreichen, werden Sie stets dem Weg des Helden eines Monomythos folgen müssen.“ Er bezieht sich damit auf die Lehre von C. G. Jung, wonach in jedem Menschen neben einem individuellen auch ein kollektives Unbewusstes angelegt sei. Das sind uralte, archetypische Verhaltensmuster, die von Menschen aller Kulturen verstanden und daher auch in Form ähnlicher Mythen weitergegeben werden. Sinn dieser Mythen sei es zu beweisen, dass menschliches Handeln eine Bedeutung habe. „Leser lesen um der Zusicherung willen, dass das Leben einen Sinn hat und dass eine Ordnung hinter all dem Chaos steckt.“ Und schon war die Grundidee zu storytella geboren: Die mythologische Heldenreise taugt nicht nur als Ordnungsprinzip für das Autorenhandwerk, sondern auch für das Autorenleben. Starte zu deiner eigenen Heldenreise – und schreibe den Plot für dein eigenes Autorenbusiness!

Die Süddeutsche Zeitung (1.8.2015) bezeichnet „Rettet die Katze“ als „eine Art Heilige Schrift der Hollywood-Drehbuchautoren.“ Die Folge, so kritisiert die SZ: „Mehr Fließbandproduktion als kreative Innovation.“ Die Kenntnis der Zutaten allein bedeute noch lange nicht, dass man auch gut kochen könne. Stimmt – aber ohne Kenntnis der Zutaten kann man überhaupt nicht kochen. Es ist der ewige Widerspruch zwischen Geniekult und reiner Handwerksgläubigkeit, den auch Robert McKee anspricht. Viele Autoren, sagt er, lernen ihr Handwerk nicht, weil sie glauben, das würde ihre Spontaneität lähmen. Aber nur wer weiß, wie er tut, was er tut, kann sein Talent auch voll ausschöpfen. Das sieht auch Snyder so, der einen sehr pragmatischen Blick auf sein Business hat: Ihm geht es um Machbarkeit und Marktfähigkeit. Schon die einfache Frage: „Was ist das für ein Film ist das?“ ist für ihn erfolgsentscheidend. Wer nicht in ein bis zwei Sätzen packend beschreiben kann, für wen der Film gemacht ist, in welchem Ton er erzählt ist, wie der Grundkonflikt aussieht und welche Figurentypen auftreten – der wird ihn schwerlich verkaufen können. Diese Regel kann man getrost auf den Markt für Mainstream-Belletristik übertragen. Das gilt auch für Snyders Struktur-Tipps: Das herkömmliche Heldenreisen-Modell in drei Akten zerlegt er in 15 „Beats“, die den Vorteil haben, dass sie eine B-Story in die Haupthandlung mit einbauen. Eines der „unveränderlichen Gesetzt der Drehbuch-Physik“ lautet für ihn: „Jede einzelne Figur in Ihrem Film muss sich im Laufe Ihrer Story verändern.“ Denn dadurch erhält die Geschichte überhaupt erst Bedeutung. „In gewisser Hinsicht handeln Geschichten von Veränderung.“ Stimmt genau: Story ist Veränderung. Und darum ist Storytelling Change Management. Nicht nur in Kunst, sondern auch im Leben.

Das, was Julia Cameron auf der psychologischen Ebene abhandelt und Peter Sloterdijk auf der philosophischen, überträgt Ulrike Scheuermann auf die praktische: „Wer schreiben kann, macht Karriere„, heißt ihr „Schreibfitnessprogramm für mehr Erfolg im Job“.  Sie wendet sich weniger an die kreativen Schreiber als die Berufsschreiber in Wirtschaft und Verwaltung. Aber auch jeder Romanautor kann von ihren Tipps profitieren. Denn ganz gleich, ob ein Text fiktionalen Charakter hat oder nicht – die Gründe für Schreibvermeidung sind immer dieselben: Angst, Perfektionismus, fehlende Fokussierung, mangelndes Schreib-Know-how. Das Buch erläutert, wie man durch assoziatives Schreiben Ideen entwickelt, durch themenfokussiertes Schreiben Gedanken auf den Punkt bringt, durch Entwicklung von Schreibritualen im Arbeitsfluss bleibt. Besonders hilfreich für kreative Schreiber ist ihr Tipp, wie man Rohtexte verfasst:  schnell schreiben, nach vorne schreiben, niemals korrigieren, Fehler und Lücken zulassen, mehrstimmig schreiben (falls sich der innere Kritiker meldet). Letzterer kann „mit der Zeit zum inneren Mentor werden, der Sie beim Schreiben unterstützt, inspiriert und zu Höchstleistungen anspornt.“

Eine der Grundaussagen von storytella lautet: „Autoren, werdet Storypreneure.“ Das ist eine Mischung aus Storyteller und Entrepreneur; ein Kreativ-Unternehmer, der das Drehbuch zu seinem eigenen Autoren-Business schreiben will. Wenn der unternehmerische Gedanke in den Mittelpunkt gerückt werden soll, lohnt ein Blick auf die Wirtschaft. Wie nutzen Marketing- und PR-Abteilungen die Kraft des Geschichtenerzählens? Genau dieser Frage widmet sich Storytelling für Unternehmen von Miriam Rupp. Die Anwendungsfelder sind inzwischen überraschend vielfältig: Storytelling-Methoden wird auch bei der Mitarbeiterrekrutierung und in der internen Kommunikation verwendet. Die Grundeinsicht ist: Menschen lassen sich nicht durch rationale Argumente von Produkten begeistern, sondern durch bewegende Geschichten. Der Unternehmer ist in einer Doppelrolle. Gegenüber seinen Kunden und Mitarbeitern kann er je nach Zielstellung als Held oder Mentor (also gewesener Held) auftreten. Er ist die Hauptfigur auf der eigenen Erfolgsreise und kann sich fragen, wer seien (wahren) Antagonisten sind, an welcher Stelle er gerade steht (z.B. 1. Schwelle oder entscheidende Prüfung) oder welche (Selbst)Erkenntnisse er auf der Reise gewonnen hat. In seiner Rolle als Mentor kann er sich fragen, wie er seine Kunden oder Mitarbeiter fördern und inspirieren, wie er ihnen helfen und dienen kann. Genau das ist die Doppelrolle des Storypreneurs: als Entrepreneur ist er Held, als Storyteller ist er Mentor.

Persönlichkeitsentwicklung für Autoren

cover du musst dein leben ändern von peter sloterdijk

Peter Sloterdijk („Du musst dein Leben ändern„) meint im Grunde eine ähnliche Reise, wenn er die Menschen zur Selbstaktivierung aufruft. Sein Held ist der übende Mensch. Die Arbeit an sich selbst ist es, was Menschsein überhaupt ausmacht: „Subjekt wird, wer an einem Programm zur Entpassivierung seiner selbst teilnimmt und vom bloßen Geformtsein auf die Seite des Formenden übertritt.“ Der Ruf zum Abenteuer ist bei Sloterdijk eine jedem Menschen innewohnende „Vertikalspannung“, die ihn zu Ausnahmeleistungen antreibt. Dazu muss er sich von alten Leidenschaften, Gewohnheiten und Vorstellungen trennen und sich einem individuellen Trainigsprogramm unterwerfen (das nennt Sloterdijk „autoplastisches Handeln“). Wie man das schaffen soll? Durch Fokussierung auf die Dinge, die man beeinflussen kann und durch geregelte Selbstgesprächspraxis (Trennungs-, Ertüchtigungs- und Visionsreden). Wie diese Praxis konkret aussehen kann, erläutert Ulrike Scheuermann in ihrem Schreibfitnessprogramm.

cover zorn und zeit von peter sloterdijk

Wer sich fragt, woher er die Energie nehmen soll, um ein derart anspruchsvolles Trainingsprogramm (s. links) zu bestehen, wird ebenfalls bei Sloterdijk fündig: In „Zorn und Zeit“ erinnert er uns daran, dass der Mensch nicht nur ein giergetriebenes Wesen ist, sondern dass dem erotischen Regungskomplex ein ebenso mächtiger „thymotischer“ gegenübersteht (von griech. „thymós“, Zorn). Nicht die Libido (Habenwollen) ist die eigentliche Antriebskraft der Geschichte, sondern der Zorn, zusammen mit seinen Geschwistern, dem Stolz, dem Geltungsbedürfnis und dem Ressentiment (Seinwollen). Denn der Mensch strebt nach Anerkennung. Wird ihm diese vorenthalten (auch durch sich selbst!), reagiert er mit Zorn, Trotz und (Selbst)Hass. Aber das ist nur der negative Pol der Stolz-Skala: Wer das Gefühl hat, etwas wert zu sein, entwickelt neben Leistungsbereitschaft und Aufstiegswillen auch Großmut. Er will nicht einfach nur nehmen, sondern auch geben. Und das wiederum erhöht seine Reputation und damit seine Selbstachtung. Genau diesen Zusammenhang stellen Förster/Kreuz her, wenn sie von einer „bedeutsamen Tätigkeit“ reden, die sie mit „echtem Engagement“ gleichsetzen.

Die berühmten „Morgenseiten“, die Julia Cameron in ihrem Klassiker „Der Weg des Künstlers“ zu schreiben empfiehlt, sind nichts anderes als die Trennung-, Ertüchtigung- und Visionsreden, von denen Peter Sloterdijk in „Du musst dein Leben ändern“ spricht. Es geht darum, eine „methodisch geregelte  Selbstgesprächspraxis“ (Sloterdijk) zu etablieren, um nicht immer nur das Vor-Gedachte zu rekapitulieren, sondern selber stabile Gedankengebäude zu errichten. Nichts anderes ist Storytelling: Im Prozess der Themenfindung, der Figuren- und Plotentwicklung erschaffen wir ein Abbild des Lebens selbst. Dass wir nicht nur unsere fiktiven Helden auf eine Reise schicken, sondern dass wir selbst auf einer Heldenreise sind – auf diese Idee hat mich erstmals Julia Cameron  gebracht. Manche werden ihren „spirituellen Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität“ für zu esoterisch halten, aber kreative Selbstentfaltung kann nicht gelingen ohne eine intensive – auch spirituelle – Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Der Weg des Künstlers ist wie der Weg zum Storypreneur auch eine Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten. Wir besiegen diese Ängste am besten – darin sind sich alle hier aufgeführten Autoren einig – , indem wir uns ihnen stellen – sprich, über sie schreiben.

Wer seine inneren Potenziale aktivieren will, kommt um einen Moduswechsel nicht herum: Weg von der herkömmlichen „guten Arbeit“, hin zur selbstbestimmten, sinnerfüllten „bedeutsamen Tätigkeit“. Das ist es, was der reißerische Titel „Hört auf zu arbeiten!“ wirklich meint. Es geht nicht darum, mit jeglicher Arbeit aufzuhören, sondern lediglich mit der hierarchisch organisierten, standardisierten, effizienzoptimierten Arbeit des Industriezeitalters. Denn diese Arbeit unterdrückt Individualität, Kreativität und Selbstinitiative (also genau das, was in Stellenausschreibungen immer gefordert wird). Wie Sloterdijk meinen auch Förster/Kreuz, dass die entscheidende Veränderung im Kopf beginnt. Es kommt darauf an, die richtigen Fragen zu stellen: Frage nicht, was eine Sache kostet, wie lange sie dauert und welche Vorbilder es gibt. Frage einfach nur, welche Sache es unbedingt wert ist, getan zu werden. Verpflichte dich aus freien Stücken dazu – und du wirst vom Objekt zum Subjekt. Du tauschst nicht einfach nur deine Arbeitskraft gegen Geld, sondern tust die Sache um der Sache willen. Resonanz von außen ist dann die Folge, nicht der Tauschwert deines Handelns.

Businessmodelle für Autoren

Conta Gromberg beziehen sich mit ihrem Solopreneur-Ansatz ausdrücklich auf den Entrepreneur-Begriff, wie ihn Günter Faltin in „Kopf schlägt Kapital“ geprägt hat. Ein Entrepreneur ist für Faltin ein konzept-kreativer Gründer, der vorhandene Komponenten nutzt, um sein Business nahezu ohne Fremdkapital starten zu können. Es geht ihm nicht, wie dem betriebswirtschaftlich denkenden Unternehmer oder Manager, um Gewinnmaximierung, sondern um die Überführung einer Ideen in Produkte oder Dienstleistungen, die sich von selbst verkaufen. Das ist genau die „bedeutsame Tätigkeit“, von der Förster/Kreuz sprechen: Eine Tätigkeit, von der man nicht nur selbst begeistert ist, sondern die auch andere begeistert und daher Nachfrage generiert. Faltin selbst hatte die Idee, nur eine Sorte Tee (und zwar die beste) nur in Großpackungen zu verkaufen. Das war der radikale Gegenentwurf zu der bis dato vorherrschenden Konvention auf dem Teemarkt, unendlich viele Teesorten in Kleinpackungen zu relativ hohen Preisen zu verkaufen. Ganz zentral für Faltin ist der Ansatz, frei zugängliche Komponenten zu nutzen, statt selbst eine komplexe und teure Infrastruktur zu bauen. Dieses konzeptionelle Modellieren ist laut Faltin ein „Weg, der die Unternehmerfigur dem Künstler und Komponisten ähnlicher werden lässt als dem klassischen Unternehmer und Manager.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Storyteller, habt keine Angst vor dem Unternehmerischen. Ihr wisst ja schon, wie man komplexe Strukturen (Storys) baut. Wendet dieses Wissen jetzt einfach auf eure Selbstvermarktung an. Autoren, werdet Storypreneure – schreibt den Plot für euer eigenes Autorenbusiness!

Was Förster/Kreuz eher alltagspsychologisch abhandeln, bringen B. und E. Conta Gromberg in einen modernen betriebswirtschaftlichen Zusammenhang. Ihr kreativer „Held“ ist ein Solopreneur, der ein smartes – weil einfaches und skalierbares – Geschäftsmodell rund um ein Produkt, ein Sortiment, ein Wissensgebiet, einen Service oder ein Erlebnis aufbaut. „Smart Business Concepts“ ist eine wahre Fundgrube für Autoren, Texter, Journalisten und andere Kreativschaffende, die der Dienstleisterfalle entkommen wollen und ein wirklich selbstbestimmtes, aber eben auch gewinnträchtiges Geschäftskonzept suchen. Ein Solopreneur geht nicht zum Kunden, er lässt die Kunden zu sich kommen. Er verkauft seine Arbeitszeit nicht wie ein Dienstleister an einen Kunden nach dem anderen, sondern vermarktet ein Produktprogramm, das von beliebig vielen Menschen gebucht werden kann. Wenn in diesem Blog vom Modell des Storypreneurs die Rede ist („Storytelling“ + „Entrepreneur“) , so ist dieser Begriff nichts anderes als eine Erweiterung des „Solopreneur“-Begriffs von Conta Gromberg. Ihr gleichnamiges Buch ist ein lesenswertes Plädoyer für ein kreatives und selbstbestimmtes Leben in Leichtbauweise.